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  • Leon Schmidt

Let’s talk about … GA3!

Das General Assembly ist eines der sechs Hauptorgane der Vereinten Nationen. Das Komitee „General Assembly 3“ setzt sich mit sozialen, humanitären und kulturellen Fragestellungen auseinander und bietet als größtes repräsentatives Organ für Menschenrechtsstandards einen offenen Gesprächsraum für alle UN-Mitglieder.

Im Rahmen der National Model United Nations 2020 darf ich mich genauer mit den folgenden drei Themen auseinandersetzen:


1. Rights of Indigenous People

Die indigene Bevölkerung Estlands ist die ethnische Minderheit der Setukesen, die in der Region Setumaa zwischen Russland und Estland leben. Weltweit gibt es rund 15.000 Setukesen, die überwiegend als orthodoxe Christen leben. Ihre Sprache wird zwar noch an wenigen Schulen im Land unterrichtet, allerdings wird das Setukesische offiziell eher als eine Art Dialekt vom Estnischen betrachtet. Amtssprache ist ebenfalls lediglich Estnisch in Estland bzw. Russisch in Russland. Viele Menschen befürchten, dass neben der Sprache, die sich immer mehr dem Estnischen annähert, auch die setukesische Kultur in Vergessenheit gerät – es gibt kaum bis gar keine schriftliche historische Werke, denn die Kultur wurde immer bloß durch Erzählungen an die nächste Generation weitergegeben.

Ein großes Problem, dem die Setukesen noch gegenüberstehen ist die Trennung ihres Siedlungsgebietes durch die Staatsgrenze zwischen Russland und Estland. Der Großteil lebt heute im estnischen Teil. Viele Setukesen können es sich nicht leisten, regelmäßig ein russisches Visum zu beantragen und werden somit ebenfalls z.B. in ihrer Tradition eingeschränkt, an religiösen Feiertagen auf den Gräbern ihrer verstorbenen Verwandten (die in dieser Kultur nicht wirklich tot sind, sondern schlafen) zu picknicken und ihren Lieben zu gedenken.

Allerdings wurden bisher auch Maßnahmen unternommen, die dazu beitragen sollen, die setukesische Kultur zu erhalten: 2009 wurden die traditionellen Leelo Lieder und Chöre zur UNESCO Liste des immateriellen Kulturerbes hinzugefügt.

Was sich die Setukesen wünschen, ist die Möglichkeit, sich in der Region Setumaa frei bewegen zu können und dass Estland mehr dafür unternimmt, dass junge Leute wieder dorthin zurückkommen wollen und nicht in die urbanen Regionen abwandern.


2. Empowering Conflict-Affected Children and Youth

Weltweit befinden sich rund 420 Millionen Kinder und Jugendliche in Regionen, die von Konflikten betroffen sind – das sind 20% der globalen jungen Bevölkerung!

Zwar gibt es keine einheitliche Definition des Begriffes „Konflikt“, allerdings wurde sich im Global Compact der Vereinten Nationen darauf geeinigt, unter dem Begriff Regionen mit hohem Grad bewaffneter Gewalt, politischer bzw. sozialer Instabilität und gewaltsamer Konflikte zu fassen. Das Rahmenwerk zum besonderen Schutz von Kindern und Jugendlichen dabei bietet die Convention on the Rights of the Child (CRC). Die 2018 beschlossene Resolution erkennt die kritische Lage von Kindern und Jugendlichen aufgrund bewaffneter Konflikte an und ruft dazu auf, Kinderrechte zu achten, sie in Entscheidungsprozesse miteinzubinden und Organisationen zu unterstützen, die sich für eben diese Belange engagieren. Weitere von den UN beschlossene Programme sind das World Programme of Action for Youth (1995), das 15 Hauptbereiche definiert, an denen sich Regierungen orientieren sollen; darunter z.B. Bildung, Stärkung von Frauen, oder generationenübergreifende Problematiken in bewaffneten Konflikten.

Ein großes Problem, dem von Konflikten betroffene Regionen insbesondere nach solchen Krisensituationen gegenüberstehen ist der Mangel politischer Autonomie und „civil empowerment“. Um konfliktbetroffene Kinder zu reintegrieren wurde das Joint Programme on Building National Capacities for Conflict Prevention vom United Nations Development Programme und dem Department of Political Affairs ins Leben gerufen.

Mögliche Maßnahmen, um betroffene Kinder und Jugendliche zu bestärken und zum Mitwirken anzuregen, könnten sein, ihre Mitgestaltung und Beteiligung an friedensbildenden Initiativen zu vereinfachen, den Weg zur Rechtsgestaltung zu ebnen, die Thematik der mentalen Gesundheit in Initiativen zu integrieren und sowohl geschlechts- als auch kulturübergreifenden Austausch zu fördern.


3. Implementing the Convention on the Rights of Persons with Disabilities

Die größte Minderheit unter der Weltbevölkerung – rund 15 % aller Menschen leben mit „langfristigen physischen, mentalen, intellektuellen oder sensorischen Behinderungen, die durch Wechselwirkungen mit verschiedenen Barrieren eine vollständige und gleichrangige Teilnahme am sozialem Geschehen verhindern könnten.“ So wurden Menschen mit Behinderung in der Convention on the Rights of People with Disabilities (CRPD, 2006) definiert.

Trotz unserer Menschenrechte und der garantierten Freiheit für alle (Universal Declaration of Human Rights) sind insbesondere Menschen mit Behinderung immer noch überproportional von Armut und Gewalt betroffen. In vielen Teilen der Welt haben sie eingeschränkten bzw. gar keinen Zugang zu Bildung, Gesundheitsleistungen, Beschäftigung oder anderen Alltagsaktivitäten, sodass sie oftmals unter schlechteren Bedingungen und Standards leben als Menschen ohne Behinderung.

Das GA3 setzt sich mit der CRPD dafür ein, dass diese Ungleichheiten beseitigt werden und arbeitet mit Hilfe des Human Rights Council der UN daran, betroffene Menschen und ihre Rechte auf der ganzen Welt zu stärken. Die Problematik wird ebenfalls in der 2030 Agenda for Sustainable Development aufgegriffen, worin die Gültigkeit der Menschenrechte für alle Menschen betont wird und vor allem Minderheiten bestärkt werden sollen, damit langfristig Ungleichheit und Armut bekämpft werden kann.

Auf europäischer Ebene gibt es ebenfalls ein Strategiepapier, das darauf abzielt, soziale und administrative Hürden zu reduzieren, um eine uneingeschränkte Teilnahme von Menschen mit Behinderung am sozialen Leben zu ermöglichen; sozusagen um die Vision eines „barrierefreien Europas“ zu realisieren.

Auch Estland legt großen Wert darauf, das Leben und Reisen möglichst barrierefrei zu gestalten. So gibt es im Transportwesen z.B. oft die Möglichkeit im öffentlichen Verkehr niedrige oder vollständig barrierefreie Fahrzeuge zu nutzen und auch in den Fahrzeigen selbst eine gut ausgebaute Infrastruktur, um Hör- oder Sehbehinderten eigenständiges Handeln zu ermöglichen. In Einrichtungen wie Museen oder Gaststätten gibt es bisher keine vereinheitlichenden Vorschriften, sodass Menschen mit Behinderung in diesem Bereich auf die Hilfe Anderer angewiesen sind. Im Bildungsbereich wird sehr viel Wert auf Gleichbehandlung aller Kinder gelegt, d.h. es gibt bereits vor Schuleintritt Maßnahmen, um den Wissensstand weitestgehend anzugleichen und weiterführend an jeder Schule eine Person, die für die Bedürfnisse von Schülern mit Behinderung verantwortlich ist.


Das General Assembly 3 wird auch in diesem Jahr viel Raum für spannende Diskussionen durch die unterschiedlichen Standpunkte der teilnehmenden Länder zu den drei Themen bieten und sicher auch zum thematischen Austausch außerhalb der Konferenz anregen.


Autor: Ronja Dinu

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